Andacht: Vom Hören zum Handeln
Jakobus 1,22

Jakobus 1,22
Jakobus schreibt seinen Brief nicht an Fernstehende, sondern an Menschen, die mit den Grundlagen des Glaubens bestens vertraut sind. Das macht seinen Satz in Kapitel eins, Vers zweiundzwanzig so drängend für jeden, der seit Jahren im Glauben lebt: Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch selbst betrügt. Wer lange im Glauben unterwegs ist, steht selten in der Gefahr, das Wort Gottes gar nicht mehr zu hören. Wir hören Andachten, lesen christliche Bücher, bereiten selbst Bibelstunden vor oder tauschen uns in Hauskreisen aus. Das Hören ist Teil unseres Alltags geworden. Doch genau hier liegt eine subtile Falle, auf die Jakobus aufmerksam macht. Das altgriechische Wort für Betrügen, das er hier verwendet, beschreibt einen Fehlschluss, eine Selbsttäuschung durch fehlerhafte Logik. Wir neigen dazu, das Erkennen einer Wahrheit bereits für deren Ausübung zu halten. Wir stimmen einem biblischen Prinzip verstandesmäßig zu, reden vielleicht darüber im Freundeskreis oder nicken zustimmend bei einer Predigt, und unbewusst verbucht unser Gewissen diese geistliche Zustimmung bereits als Gehorsam. Das ist die Selbsttäuschung der Erfahrenen.
Wer im Alltag als Angestellter oder in der Familie Verantwortung trägt, weiß, dass gute Ratschläge wertlos sind, wenn sie nicht umgesetzt werden. Im geistlichen Leben vergeben wir uns diese Nachlässigkeit jedoch erstaunlich oft. Wir kennen die Gebote der Versöhnung, der Demut, der Ehrlichkeit und der Barmherzigkeit. Aber setzen wir sie auch dort um, wo es etwas kostet? Im schwierigen Gespräch mit dem Nachbarn, beim Verzicht auf das letzte Wort in der Familienkonflikt, bei der ehrlichen Korrektur eigener Fehler oder in der stillen Großzügigkeit?
Täter des Wortes zu sein bedeutet nicht, getrieben in einen krampfhaften Aktivismus zu verfallen. Es bedeutet vielmehr, die Distanz zwischen Erkennen und Handeln so klein wie möglich zu halten. Das Wort verlangt nach Inkarnation in unserem Terminkalender, in unseren Finanzen und in unserer Art zu kommunizieren.
Heute ist ein guter Tag für eine nüchterne Bestandsaufnahme. Welches biblische Gebot oder welche klare geistliche Einsicht haben Sie in den letzten Wochen zwar verstanden, diskutiert oder vielleicht sogar anderen weitergegeben, aber im eigenen Handeln vor sich hergeschoben? Wählen Sie für den heutigen Tag nicht drei neue Vorsätze, sondern genau diese eine Sache. Führen Sie das eine klärende Gespräch, vollziehen Sie den einen Schritt der Versöhnung oder korrigieren Sie die eine kleine Unwahrheit, die Sie gesagt haben. Lassen Sie das Wort heute nicht in Ihrem Kopf stehen, sondern bringen Sie es in Ihre Hände und Füße.
Herr, du kennst die Gefahr, dass wir uns hinter unserer Erfahrung und unserem Wissen verstecken. Vergib uns, wo wir das Verstehen des Wortes mit dem Gehorsam verwechselt haben. Schärfe unseren Blick für die Selbsttäuschung in unserem eigenen Leben. Gib uns heute den Mut und die Nüchternheit, nicht nur über deine Wahrheit zu reden, sondern sie ganz konkret und ohne Ausreden zu tun. Amen.
Redaktioneller Beitrag aus dem Jeschua.TV-Empfehlungsnetzwerk.
