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Andacht

Andacht: Den anderen höher achten

Philipper 2,3-4

Andacht: Den anderen höher achten

Paulus schreibt diesen Brief aus dem Gefängnis an eine Gemeinde, die er tief schätzt. Es ist keine Korrekturgemeinde wie Korinth, sondern ein treuer Partner im Evangelium. Und gerade hier, wo vieles gut läuft, setzt er den Hebel an einer Stelle an, die für erfahrene Glaubende besonders gefährlich ist: die subtile Vermischung von Gottes Sache mit dem eigenen Ego. Wenn Paulus mahnt, nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen zu tun, spricht er nicht zu Anfängern, die offen nach Macht greifen. Er spricht zu Menschen, die gelernt haben, ihre eigenen Interessen hochfromm zu verpacken. Im Alltag, in Familie und Beruf, ist der Eigennutz selten laut. Er zeigt sich nicht in offener Habgier, sondern im leisen Bann des Rechthabens, im Bedürfnis, dass die eigene Meinung gewinnt, oder in der Sorge um die eigene Reputation, wenn etwas schiefläuft. Die eitle Ehre, von der Paulus schreibt, ist im Griechischen wörtlich der leere Ruhm. Es ist der Versuch, durch Erfolge, Anerkennung oder Bedeutung ein Gewicht zu erlangen, das uns nur in Christus geschenkt ist. Demut ist in diesem Kontext keine künstliche Selbstverkleinerung. Sie ist schlicht die nüchterne Anerkennung der Realität: Ich bin nicht das Zentrum, und mein Gegenüber ist von Gott mit demselben Wert und oft mit Gaben ausgestattet, die mir fehlen. Den anderen höher zu achten als sich selbst bedeutet im Alltag, dem Partner im nächsten Gespräch wirklich zuzuhören, statt im Kopf schon die eigene Erwiderung zu formulieren. Es bedeutet, die Perspektive des Nachbarn oder der Kollegen so ernst zu nehmen, als ginge es um das eigene Anliegen. Das erfordert Mut, denn wer den anderen höher achtet, gibt für einen Moment die Kontrolle ab. Er riskiert, dass der andere recht hat. Wer nur auf das Seine sieht, kreist um seine Bedürfnisse, seine Erfolge und seinen Einfluss. Wer aber auf das sieht, was dem anderen dient, fragt danach, wie die Menschen im eigenen Umfeld aufblühen können. Heute bietet sich dafür eine konkrete Gelegenheit. Wenn Sie heute in ein Gespräch gehen, eine Entscheidung treffen oder sich mit jemandem austauschen, halten Sie für einen kurzen Moment inne. Fragen Sie sich vor dem Gespräch: Suche ich hier gerade das Wohl des anderen, oder geht es mir unbemerkt darum, Recht zu behalten und meine Position zu sichern? Entscheiden Sie sich bewusst dafür, in diesem Gespräch eine Frage mehr zu stellen und eine Antwort weniger zu geben. Achten Sie den Beitrag des anderen höher als Ihren Drang zu gestalten. Herr, du kennst die subtilen Motive unseres Herzens. Du siehst, wie schnell sich unser Ego in unser Leben einschleicht. Wir bitten dich um einen geschärften Blick für die Menschen, die du uns anvertraut hast. Gib uns die Freiheit der Demut, die nicht um sich selbst kreist, sondern dem anderen dient. Lass uns heute so leben und handeln, dass dein Name geehrt wird und Menschen durch uns Raum zum Leben finden. Amen.

Redaktioneller Beitrag aus dem Jeschua.TV-Empfehlungsnetzwerk.